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Kiten am Salzhaff Salzhaff · Ostsee 9 kn SSW

Die Reviere am Salzhaff

Vier Reviere, die sich gegenseitig ergänzen: drei im Flachwasser des Haffs, eines mit Welle an der offenen Ostsee.

Die Reviere auf einen Blick

RevierLage Läuft beiGehtUngünstig
Pepelow Ostufer des Salzhaffs NO, SW, W N, S, NW O, SO
Boiensdorfer Werder Südufer, am Südende des Haffs N, NO, W, NW O, SW SO, S
Rerik / Kuhberg Haffseite südlich von Rerik S, SW N, W, NW NO, O, SO
KägsdorfWelle, offene Ostsee Ostseeküste zwischen Rerik und Kühlungsborn SW, W N, NO, NW O, SO, S

Die Einstufung folgt der Uferlage jedes Spots und ist mit spotnetz.de, surfspot.de und auf-nach-mv.de abgeglichen. Welches Revier gerade passt, zeigt die Startseite.

Vier Spots, eine Regel

Das Salzhaff ist eine Bucht mit Ufern in alle Richtungen. Genau darin liegt der Vorteil: Es gibt fast keine Windrichtung, bei der gar nichts geht – man muss nur an der richtigen Stelle stehen.

Entscheidend ist, wo vom Ufer aus das Wasser liegt. Der Wind muss von dort kommen – dann ist er auflandig oder sideshore und läuft sauber. Kommt er von der Landseite, wird er böig, weil Bäume, Häuser und Hecken ihn zerlegen.

Pepelow am Ostufer hat das Wasser im Nordwesten. Das macht West, Südwest und Nordost zu den besten Richtungen; östliche Winde kommen über Land.

Boiensdorfer Werder liegt am Südende, das Wasser also im Norden. Der ganze Sektor von West über Nord bis Nordost läuft dort – es ist die Adresse für Nordwindtage.

Rerik am Kuhberg, auf der Haffseite südlich des Ortes, hat das Wasser im Südwesten. Damit ist es das Gegenstück: Südwind, an dem die anderen beiden schwächeln, ist hier die beste Richtung überhaupt.

Wer Welle will, findet sie im Haff nicht. Dafür gibt es Kägsdorf an der offenen Ostsee, rund eine Viertelstunde Fahrt entfernt.

Am Reriker Ostseestrand darf nicht gekitet werden. Der Strand ist Badezone, eine eingetragene Wassersportfläche gibt es dort nicht – die Strandsatzung lässt keine Kites zu. Windsurfer nutzen ihn, Kiter weichen auf den Kuhberg an der Haffseite aus.

Auch unabhängig davon gilt: An der offenen Ostsee treibt ablandiger Wind dich aufs freie Meer, nicht über eine überschaubare Bucht.

Was alle drei Haffspots gemeinsam haben

Wasser Stehrevier, über weite Strecken hüft- bis brusttief
Untergrund überwiegend Sand, stellenweise Seegras und weicher Schlick
Welle praktisch keine – Flachwasser
Strömung sehr gering, kein Tidenhub im Wortsinn
Seegrasfinne ab etwa Juni nötig

Kägsdorf fällt aus dieser Reihe: offene Ostsee, Welle, kräftiger Shorebreak. Dazu weiter unten mehr.

Die Wassertiefe ist das Argument

Vom Ufer aus geht es sehr flach hinaus. Die ersten Meter reichen kaum über den Knöchel, dann bleibt es lange knie- bis hüfttief. Erst weit draußen wird es tiefer, ohne dass man den Grund verliert.

Das hat Folgen für die Praxis. Ein Kite, der ins Wasser fällt, lässt sich im Stehen relaufen. Ein Board, das wegdriftet, ist zu Fuß erreichbar. Und ein Bodydrag-Übungstag endet nicht mit Erschöpfung, sondern mit Fortschritt.

Umgekehrt gilt: Bei sehr niedrigem Wasserstand wird es an manchen Stellen so flach, dass Finnen aufsetzen. Die Anzeige auf der Startseite zeigt deshalb nicht nur den Wind, sondern auch den Wasserstand gegenüber dem Normalwert – ab etwa −25 cm startest du besser weiter draußen. Die Marke ist ein Erfahrungswert, keine feste Grenze.

Warum der Wasserstand hier schwankt, obwohl es keine Gezeiten gibt

Die Ostsee hat kaum Tidenhub. Was den Pegel bewegt, ist der Wind: Anhaltender Wind aus West bis Nordwest drückt Wasser in die Wismarbucht hinein, ablandiger Ost- bis Südwind zieht es heraus. Nach mehreren Tagen kräftigem Westwind steht das Wasser deutlich höher – nach langem Ostwind kann es überraschend flach werden. Der Effekt kann leicht einen halben Meter ausmachen.

Windrichtungen im Einzelnen

Die folgenden Einschätzungen gelten für Pepelow und Boiensdorf. Für die anderen beiden Reviere zeigt die Startseite, welches gerade passt.

Südwest – die Standardrichtung und eine der besten. Sideshore zum Ufer, sauber stehende Kites, freier und konstanter Wind.

West – gilt zusammen mit Südwest als die beste Freeride-Bedingung. Bei anhaltendem West steht das Wasser allerdings tiefer als sonst.

Nordost – funktioniert sehr gut, kommt über die Wasserfläche und läuft dadurch gleichmäßig.

Nord und Nordwest – hier deckt die vorgelagerte Halbinsel Wustrow ab. Der Effekt ist vorhanden, aber schwächer als sein Ruf: Wustrow liegt gut sechs Kilometer entfernt, und über diese Strecke sammelt sich der Wind wieder. Es läuft, nur nicht ganz so sauber wie bei Südwest.

Ost und Südost – die schwierigen Richtungen für beide. Der Wind kommt über Land und wird von Bewuchs und Bebauung zerlegt, dazu weht er ablandig. An solchen Tagen lohnt die Anfahrt selten.

Süd – in Pepelow brauchbar, in Boiensdorf ablandig über Land. Wer bei Südwind fahren will, ist am Kuhberg bei Rerik richtig: Dort ist es die beste Richtung überhaupt.

Nord und Nordwest – der Unterschied zwischen beiden: In Boiensdorf liegt das Wasser im Norden, diese Lagen sind dort also auflandig und laufen gut. In Pepelow deckt Wustrow leicht ab.

Kägsdorf – wenn es Welle sein soll

Das Salzhaff ist Flachwasser, und daran ändert kein Wind etwas. Wer springen oder Welle fahren will, fährt an die Außenküste: Kägsdorf liegt zwischen Rerik und Kühlungsborn, gut 14 Kilometer von Pepelow.

Vor dem Strand liegt eine Sandbank, an der sich die Welle bricht. Bei kräftigem, anhaltendem Südwest – der besten Richtung dort – kommen bis zu drei Meter zusammen, sideshore von links. Auch West und Nordwest funktionieren. Der Strand ist steinig, zum Aufbauen gibt es Wiese, und der Naturparkplatz ist kostenpflichtig.

Kägsdorf ist kein Anfängerspot. Der Shorebreak ist kräftig, und es geht auf die offene Ostsee hinaus statt über eine überschaubare Bucht. Bei ablandigem Wind aus Süd bis Ost gehört der Spot nicht zur Auswahl – dort treibt jedes Problem dich seewärts.

Wer im Haff sicher fährt, ist damit noch nicht automatisch bereit für Kägsdorf. Das sind zwei verschiedene Sportarten am selben Tag.

Aufbauen und starten

Am Campingplatz Pepelow gibt es eine eingespielte Kite-Infrastruktur mit Wiese zum Aufbauen und einer VDWS-Schule direkt vor Ort. Das ist der naheliegende Startpunkt, gerade wenn du zum ersten Mal hier bist.

Halte beim Aufbauen Abstand zu Badegästen und Anglern, und lege Leinen nie quer über Wege. Das Revier funktioniert, weil sich alle vertragen – die Freigabe für Kiter ist eine freiwillige Vereinbarung, keine Selbstverständlichkeit.

Wann es am besten läuft

Die thermisch unterstützten Tage im Frühsommer sind oft die schönsten: vormittags wenig, ab dem frühen Nachmittag legt es zu. Im Hochsommer sind Morgen und später Nachmittag die verlässlicheren Fenster, weil mittags die Bebauung und die aufgeheizte Landfläche für unruhige Luft sorgen.

Über das Jahr gesehen ist das Winterhalbjahr die windreichere Zeit – und zwar deutlicher, als die verbreitete Rede vom „besten Monat September” vermuten lässt. Gemessen über zehn Jahre wehten im Januar an 26 % der Tagesstunden mindestens 14 Knoten, im September nur an 13 % und im August an 8 %.

Die beste Kombination aus Windausbeute und erträglichen Temperaturen bieten Oktober und März. Der Hochwinter weht zwar noch kräftiger, ist aber für die meisten schlicht zu kalt und zu ungemütlich – dafür fährt kaum jemand her. Wer im Juli oder August kommt, sollte Leichtwind-Material dabeihaben und sich nicht auf tägliche Sessions einstellen. Die Zahlen Monat für Monat →